Handbuch
zum Co-Counseln (Co-Counselling)

8 Scannen

Ziele
- Frühere Erlebnisse finden, in denen man sich schon einmal so verhalten hat wie in der Situation, die man gerade zu klären versucht.
- Eigene Verhaltensmuster mit ihren Ursachen finden.
- Ein traumatisches Erlebnis verarbeiten, indem man es in einen zeitlichen Kontext einordnet.

Methode
(1) Durch Scannen in der Zeit kann der Klient wiederkehrende Muster in seinem Verhalten oder in seiner Wahrnehmung entdecken. Er kann belastende und traumatisierende Situationen aufdecken, in denen diese Muster entstanden sind. Wenn also in einer Sitzung eine belastende Situation zur Sprache kommt, kann der Klient durch Scannen untersuchen, ob es bereits früher ähnliche Situationen gegeben hat.
Hat der Klient eine solche Situation in der Vergangenheit ausgemacht, kann er das ’buchstäbliche Beschreiben’ benutzen, um die Situation für sich konkret in den Blick zu bekommen. Dabei können starke Gefühle hervorgerufen werden. (Über das Ausdrücken dieser Gefühle ist etwas in der Technik ’Acting into’ beschrieben.)
(2) Scannen kann auch noch in einem anderen Sinne benutzt werden:
Der Klient kann traumatische Erlebnisse, die er kennt oder entdeckt hat, verarbeiten, indem er sie in einen zeitlichen Kontext setzt. Ausgehend von einer traumatischen Situation kann er die danach folgenden Entwicklungen beschreiben, bis er sich wieder in einer sicheren Situation befindet. Das gleiche kann er danach auch in der umgekehrten Zeitabfolge tun: Von dem sicheren Heute geht er in Schritten zurück zu den schmerzhaften Situationen der Vergangenheit, konfrontiert sich mit den Erinnerungen an das traumatische Erlebnis und geht dann noch einen Schritt weiter bis zum sicheren Vorher. Dieses lässt ihn die verletzenden Erfahrungen in einem zeitlichen Kontext erleben: ’Ich bin mehr als diese schmerzhafte Erfahrung’, ’Ich bin heute in einer anderen Situation’.
Ausführlich ist dieses Vorgehen als ’Video-Technik’ weiter hinten beschrieben.

Vorschläge des Counselers dazu
Was war vorher?
Was war davor? ... Was war davor?
Wann hat es angefangen?
Wie hat es angefangen?’
Wie hat es möglicherweise angefangen?
Was war davor (bevor es angefangen hat)?
Was hättest du am liebsten getan/gesagt?
Möchtest du dich Wertschätzen, für das was du in der Situation getan hast?
Schau dir das Bild von der Situation an, was siehst du?
Beschreibe dich in dem Bild in der dritten Person!

Hintergrund
(1) Durch Scannen von Zeiträumen kann man Muster in seinem Verhalten oder in seiner Wahrnehmung entdecken und möglicherweise zugrunde liegende traumatische Erlebnisse frei legen. Mit Verhaltens- und Wahrnehmungsmustern bewältigen wir viele komplexe Situationen im Leben. Sie sind entstanden aus konkreten Erfahrungen. Manche behindern uns jedoch und sind heute keine angemessenen Reaktionen mehr. Wir haben sie gelernt, etwa zur Schmerzvermeidung. Doch die Situation oder die Konstellation, auf die sie sich beziehen, bestehen heute nicht mehr. Ein innerer Zwang bindet uns jedoch weiter an sie. Uns macht immer noch Angst, was früher einmal gefährlich war.
(2) Eine immer wiederkehrende Fokussierung einer belastenden Situation kann Probleme chronifizieren, anstatt sie zu lösen, da sie den Klienten immer wieder darauf zurück wirft, verletzt worden zu sein. Um eine solche Chronifizierung zu vermeiden, ist es deshalb wichtig die Fixierung der Aufmerksamkeit auf diese Erlebnisse zu durchbrechen. Das kann man tun, indem man andere zeitlich zugeordnete Erlebnisse ebenfalls ansieht und beschreibt, obwohl sie direkt mit der schmerzhaften Situation nichts zu tun haben.

 

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