Wie ist es mit dem Verlieben? In Sitzungen teilt man sehr viel miteinander und es entsteht sicher immer wieder auch eine große Nähe. Es ist ein bekanntes Problem aus der professionellen Therapie und deshalb gibt es dort klare Regeln dafür.

Es ist wichtig zu unterscheiden: Verliebtsein ist etwas anderes, als sich in einer Sitzung jemanden sehr nah zu fühlen; vielleicht näher, als man sich zu jemanden in einer Liebesbeziehung je gefühlt hat. Wer das verwechselt, hat in der Regel ein Problem. Wir gehen darauf in jedem Grundkurs zum Co-Counseln ein.
Das Problem beginnt in der Regel viel früher und viel kleiner: Man verwechselt das Füreinander-da-sein in einer Sitzung mit Freundschaft und verabredet sich zu Dingen, die man in einer Freundschaft tut: Spazieren gehen, feiern, ins Kino gehen und erwartet dort sofort Nähe und Intensität, die man aus den gemeinsamen Sitzungen kennt. Freundschaft passiert jedoch in einem anderen Raum und bedarf anderer Erfahrungen miteinander. Co-Counsel-Sitzungen machen keine Freundschaft (wie sie keine Liebe machen), sie können jedoch ein Anfangspunkt dafür sein, durch vorsichtiges gemeinsames Tun außerhalb von Sitzungen, Freundschaft miteinander zu entwickeln.

Unterstützende Sitzungen und 'normale' soziale Kontakte sind zwei unterschiedliche Umgebungen, in denen unterschiedliches gedeihen kann. Es ist wie mit Pflanzen, in unterschiedlichen Umgebungen gedeihen sie unterschiedlich. Verwechselt man die Umgebungen, geht es den Planzen nicht gut.

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